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Der Imperativ im Deutschen: Bildung, Regeln, Beispiele

Der Imperativ im Deutschen: Bildung, Regeln, Beispiele
Nina Authried
7 Min. Lesezeit

Zusammenfassung

  • Der Imperativ drueckt Aufforderungen, Bitten und Anweisungen aus.
  • Die du-Form nutzt den Verbstamm, die ihr-Form den Stamm + t.
  • Die Sie-Form bleibt beim Infinitiv und ist die hoeflichste Variante.
  • Vokalwechsel, trennbare und reflexive Verben brauchen Sonderregeln.
  • Mit Partikeln wie bitte, doch oder mal klingt der Imperativ freundlicher.

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Der Imperativ ist die Befehlsform im Deutschen. Du nutzt ihn, um Anweisungen zu geben, Bitten auszudruecken oder jemanden zu ermutigen. In der Praxis ist der Imperativ nicht nur streng oder hart. Mit dem richtigen Ton und kleinen Woertern wie "bitte", "doch" oder "mal" klingt er freundlich und alltagstauglich.

Dieser Leitfaden zeigt dir die Bildung fuer du-, ihr- und Sie-Form, die wichtigsten Sonderfaelle und typische Fehler. So kannst du Imperative sicher bilden und sie im Alltag natuerlich einsetzen.

Schritt-fuer-Schritt-Plan: Imperativ richtig bilden
SCHRITT
1

Verb in den Infinitiv setzen

gehen, machen, lesen.

SCHRITT
2

Person waehlen

du, ihr oder Sie.

SCHRITT
3

Form ableiten

du-Form ohne -st, ihr-Form mit -t, Sie-Form Infinitiv + Sie.

SCHRITT
4

Sonderfaelle pruefen

Vokalwechsel, -e optional, unregelmaessige Verben.

SCHRITT
5

Ton anpassen

Bitte, doch, mal, sowie passende Intonation.

Die du-Form

Die du-Form nutzt den Verbstamm. Das -st wird entfernt, ein -e am Ende ist oft optional.

  • gehen -> Geh! (Gehe! ist moeglich, klingt aber formeller)
  • kommen -> Komm!
  • machen -> Mach!

Bei Verben auf -d/-t oder bei unbetonten Silben kann ein -e hilfreicher klingen:

  • arbeiten -> Arbeite!
  • atmen -> Atme!

Die ihr-Form

Die ihr-Form ist einfach: Verbstamm + t.

  • gehen -> Geht!
  • kommen -> Kommt!
  • machen -> Macht!

Sie klingt klar und direkt. In Gruppen ist sie die Standardform.

Die Sie-Form (hoeflich)

Die Sie-Form nutzt den Infinitiv und setzt "Sie" dahinter:

  • Gehen Sie bitte.
  • Kommen Sie herein.
  • Machen Sie es so.

Diese Form ist im beruflichen Kontext und bei fremden Personen die sicherste Variante. "Bitte" macht sie noch weicher.

Die wir-Form (Aufforderung als Vorschlag)

Statt eines klassischen Imperativs nutzt man bei "wir" meist eine Einladung:

  • Lass uns anfangen.
  • Lasst uns losgehen.

Das ist die gaengige Form, wenn du eine Gruppe einschliesst.

Vokalwechsel und besondere Verben

Einige Verben haben Vokalwechsel, die im Imperativ sichtbar werden:

  • lesen -> Lies!
  • essen -> Iss!
  • sehen -> Sieh!
  • nehmen -> Nimm!

Bei "sein" und "haben" gibt es unregelmaessige Formen:

  • sein -> Sei!
  • haben -> Hab!
  • werden -> Werde!

Merke dir diese Formen, sie kommen im Alltag haeufig vor.

Trennbare Verben

Bei trennbaren Verben kommt die Partikel ans Ende:

  • aufmachen -> Mach die Tuer auf!
  • anrufen -> Ruf mich an!
  • einsteigen -> Steig ein!

Die Trennung ist im Imperativ besonders wichtig. Ohne Partikel klingt der Satz unvollstaendig.

Reflexive Verben

Reflexive Verben brauchen ein Pronomen:

  • sich setzen -> Setz dich!
  • sich beeilen -> Beeil dich!
  • sich freuen -> Freu dich!

Das Pronomen steht direkt nach dem Verb.

Negation im Imperativ

Negation funktioniert mit nicht oder kein:

  • Geh nicht so schnell!
  • Mach das nicht!
  • Nimm kein Geld mit!

In der gesprochenen Sprache wird "nicht" oft betont, um den Imperativ klar zu markieren.

Hoeflichkeit und Ton

Der Imperativ kann streng wirken, wenn er allein steht. Mit kleinen Partikeln klingt er freundlicher:

  • Komm bitte.
  • Geh doch langsam.
  • Mach mal eine Pause.

Auch die Intonation entscheidet. Ein ruhiger Ton wirkt wie eine Bitte, ein harter Ton wie ein Befehl.

Imperativ vs Konjunktiv II

Im Deutschen kannst du Bitten auch mit dem Konjunktiv II ausdruecken. Das ist oft noch hoeflicher als der Imperativ:

  • Koennten Sie bitte Platz nehmen?
  • Waere es moeglich, das Fenster zu schliessen?

Im Alltag reicht der Imperativ mit "bitte" meist aus. In sehr formellen Situationen wirkt der Konjunktiv II jedoch respektvoller.

Verben auf -eln und -ern

Bei Verben wie "laecheln" oder "wandern" klingt das optionale -e haeufig natuerlicher:

  • Laechele (oder: Laechel) mal kurz.
  • Wandere langsam.
  • Sammle die Unterlagen.

In der gesprochenen Sprache wird das -e oft weggelassen, in schriftlichen Anleitungen steht es etwas haeufiger.

Imperativ im Alltag

Der Imperativ ist nicht nur fuer Befehle da. Er wird in vielen alltaeglichen Situationen genutzt:

  • Tipps: Iss langsam, das ist besser.
  • Warnungen: Pass auf, da ist eine Stufe.
  • Einladungen: Komm rein, fuehl dich wie zu Hause.
  • Anfeuerung: Mach weiter, du schaffst das.

Mit Kontext und Ton wirkt er freundlich und normal.

Satzstellung und Objekte

Im Imperativ steht das Verb fast immer am Anfang. Danach kommen Objekt und weitere Informationen:

  • Nimm den Stift.
  • Leg das Buch auf den Tisch.
  • Sag mir kurz Bescheid.

In laengeren Saetzen hilft eine klare Reihenfolge: erst die Handlung, dann Ort und Zeit. So bleibt der Satz leicht verstaendlich.

Mehrteilige Aufforderungen

Wenn du zwei Handlungen kombinierst, solltest du sie klar trennen:

  • Hol die Unterlagen und leg sie auf den Tisch.
  • Schau dir den Plan an und gib mir Feedback.

Zu viele Aktionen in einem Satz machen den Imperativ unklar. Besser sind zwei kurze Saetze.

Haeufige Wendungen

Diese Imperative hoerst du besonders oft:

  • Bitte warten.
  • Nimm Platz.
  • Komm herein.
  • Lass mich kurz schauen.
  • Ruf mich spaeter an.

Sie sind praktisch, weil sie in vielen Situationen passen.

Imperativ in Anleitungen und Hinweisen

In Rezepten, Anleitungen oder Schildern ist der Imperativ die Standardform:

  • Ruehren Sie alles gut um.
  • Nicht betreten.
  • Bitte schliessen.

Hier ist der Ton neutral und sachlich.

Imperativ in E-Mails und Notizen

In kurzen internen Mails oder Notizen ist der Imperativ ebenfalls ueblich, aber meist mit einem freundlichen Einstieg:

  • Bitte pruefen Sie den Entwurf bis morgen.
  • Schick mir die Datei, sobald sie fertig ist.
  • Ruf mich kurz an, wenn du Zeit hast.

Ein "bitte" am Satzanfang macht den Ton deutlich angenehmer. Bei externen Empfaengern wirkt der Konjunktiv II oft professioneller, aber der Imperativ ist in internen Teams vollkommen normal.

Mini-Checkliste fuer klare Imperative

  • Verb an den Satzanfang
  • Kurz und eindeutig formulieren
  • Bei Bedarf bitte oder doch nutzen
  • Kontext pruefen: privat oder formell
  • Keine zu langen Ketten von Aktionen

Je klarer der Satz, desto besser wird er verstanden.

Beispiele nach Beziehung

Im Alltag hilft es, die Beziehung zur Person mitzudenken. Zu Freunden passt ein lockerer Imperativ:

  • Komm vorbei, wenn du Zeit hast.
  • Ruf mich spaeter an.

Bei Kolleginnen und Kollegen ist eine neutrale Form sicher:

  • Schick mir bitte die Datei.
  • Sag mir kurz Bescheid, sobald du etwas weisst.

Gegenueber Kunden oder fremden Personen ist die Sie-Form die sichere Wahl:

  • Nehmen Sie bitte Platz.
  • Geben Sie mir kurz ein Zeichen.

Typische Fehler

  • du-Form mit -st: "Gehst!" ist falsch.
  • trennbare Verben nicht trennen: "Aufmach!" statt "Mach auf!"
  • "Gehen!" statt "Geh!" in der du-Form
  • Reflexivpronomen vergessen: "Setz!" statt "Setz dich!"

Wenn du diese Fehler vermeidest, klingen deine Imperative sofort sicherer.

Uebung: Imperative bilden

Bilde den Imperativ in der geforderten Form:

  1. (du) kommen
  2. (ihr) machen
  3. (Sie) gehen
  4. (du) lesen
  5. (du) aufmachen
  6. (ihr) sich setzen

Loesungen:

  1. Komm!
  2. Macht!
  3. Gehen Sie!
  4. Lies!
  5. Mach auf!
  6. Setzt euch!

Zusatzuebung: Ton variieren

Formuliere denselben Imperativ in drei Tonlagen. Beispiel mit "gehen":

  • Streng: Geh sofort.
  • Neutral: Geh bitte.
  • Freundlich: Geh doch langsam.

So lernst du, den Imperativ flexibel einzusetzen und den Ton bewusst zu steuern.

Tipp: Schreibe dir drei Imperative aus deinem Alltag auf und formuliere sie jeweils in einer hoeflichen Variante. Das trainiert Routine und Tongefuehl.

Kurzfazit

Der Imperativ ist klar, aber nicht kompliziert. Die du-Form nutzt den Stamm, die ihr-Form den Stamm + t, die Sie-Form bleibt beim Infinitiv. Sonderfaelle wie Vokalwechsel, trennbare und reflexive Verben sind haeufig, lassen sich aber mit wenigen Regeln sicher beherrschen.

Wenn du den Imperativ in echten Situationen uebst und auf den Ton achtest, klingt er schnell natuerlich und freundlich.

Häufig gestellte Fragen

Verbstamm ohne -st, oft ohne -e: gehen -> Geh!

Infinitiv + Sie: Kommen Sie bitte!

Optional bei manchen Verben, z. B. Komme! klingt formeller.

Verb trennen und Partikel ans Ende: Mach die Tuer auf!

Mit nicht oder kein: Geh nicht weg!

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